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2. Tag: Wien

Unser erster Flusskreuzfahrttag beginnt nach dem Frühstück bei wolkenlosem Himmel, Sonnenschein und 30° auf dem Sonnendeck mit einer für Alle verpflichtenden Sicherheitsübung. Wir werden in Gruppen eingeteilt und im Anlegen der Schwimmwesten geübt. Für unseren Kapitän steht das Wort Sicherheit an allererster Stelle, und besonders eigen ist er mit dem Anzünden von Feuer, z.B. bei einer Zigarette (innerhalb des Schiffes ist das Rauchen verboten) oder gar einer brennenden Kerze in der Kabine – das geht gar nicht – und hätte bei Verstoß den Abbruch der Fahrt für den „Täter“ zur Folge. Eine Einstellung, die sich aus seiner Biographie herleitet: 1991 arbeitete er zu Ostern auf einem Frachter auf der Donau. Ein Kollege hatte eine Kerze angezündet und vergaß sie in der Kabine … sie fiel um,  und das führte dazu, dass das ganze Schiff Feuer fing und komplett verbrannte…

Am frühen Mittag erreichten wir Wien, kulturelles, wirtschaftliches und geistiges Zentrum Österreichs. Und was erwartete uns hier nicht alles: Museen, Theater, Konzerthäuser und viele Prachtbauten wie Hofburg, Parlament, Schloss Schönbrunn oder den Stephansdom, um nur einige zu nennen. Nun konnten wir wählen: da gab es eine zu buchende Ausflugfahrt und die Möglichkeit auf eigene Faust in 3,5 Stunden sich Wien anzuschauen.

Wer sehr sportlich war, konnte das mit einem ausgeliehen Fahrrad (ca. 500 m von der Anlegestelle), mit den Verkehrsmitteln, mit einem Taxi oder zu Fuß. Wir fuhren mit der Ausflugsfahrt in die Altstadt und machten uns da selbständig. Zuerst der Besuch im Stephansdom, dann eine Fahrt mit dem Fiaker und schließlich ein Abstecher im Café Demel, wo wir die Geschichte der Sachertorte erfuhren: Fürst Metternich wollte ein besonderes Dessert für seine Gäste. Aber der Hofkoch war krank und so blieb die Aufgabe an dem 16jährigen im zweiten Lehrjahr stehenden Burschen Franz Sacher hängen. In seiner Not erfand er das Grundrezept der Sachertorte. Erst seinem ältesten Sohn Eduard sollte es vorbehalten sein in der Zeit seiner Ausbildung beim Hofzuckerbäcker Demel, aus dem Rezept des Vaters die berühmteste Torte Wiens zu machen. Zuerst wurde die Torte im Café Demel kredenzt, später dann im Hotel Sacher, das Eduard 1876 gründete. 

Natürlich wäre noch viel zu sehen gewesen z. B. die Spanische Hofreitschule, der Prater, die Wiener Hofburg oder das Hundertwasserhaus, aber die Zeit reichte nicht für alles.

Um 17.15 Uhr war der Landgang zu Ende, und wir waren wieder auf dem Schiff. Pünktlich verließen wir diese schöne Stadt, um den Abend bei einem Gala-Abendessen und dem anschließendem Schlagerevent im Salon (wer denn immer wollte) zu beenden.

Auch diese Nacht war eine Nacht der zwei Schleusen: die erste erreichten wir bei Freudenau und nach Hainburg, Devin und Bratislava kam die zweite Schleuse Gabcikovo. Damit hatten wir längst Österreich verlassen, und uns zwischen die Ufer von Ungarn und der Slowakei begeben.

 

Auf dieser Talfahrt überwand unser Schiff einen Höhenunterschied zwischen 10 m und 20 m.

Wir kamen an Visegard mitten im Donauknie, an Budapest und Dunaföldvar vorbei bis wir nach 396 km das kleine ungarische Dorf Ordas erreichten.