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8. Tag: Rousse

An diesem Vormittag stand nach dem Frühstück um 9.30 eine Reiseinformation an. Wir erfuhren alles über die noch ausstehenden Ausflugsmöglichkeiten, als da waren Novi Sad, Mohács, Pécs, Budapest, Bratislava und Dürnstein. Nach dem Mittagessen, hatte die MS Maxima den Anleger in Rousse erreicht. Um 13.00 Uhr konnten wir uns – nach Freigabe durch die bulgarischen Behörden – auf den Weg machen.
Wir lernen eine Stadt kennen, deren Architektur ein Mix aus Wiener Jugendstil, Barock, Renaissance und Klassizismus ist. Die vielen prächtigen Bürgerhäuser und Adelspaläste, entworfen von internationalen Architekten aus Italien, Deutschland oder Bulgarien, brachten der Stadt den Beinamen „Klein-Wien“ ein. Der Ploschtad Svoboda (dt. Freiheitsplatz) bildet mit einer Parkanlage und den prächtigen Bankbauten, das Zentrum der Stadt. Neben vielen Restaurants und kleinen Ständen ist hier auch das Gerichtsgebäude, das Rathaus und die Freiheitsstatue, des florentinischen Bildhauers Arnoldo Zocchi zu finden. Es erinnert an die Befreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft. Das schönste Haus in dieser Gegend, so hört man, ist das ehemalige „Haus des Einkommens“, das heutige Theater Sava Ognjanov. 1901 – 1902 erbaut, zeigt es sich in seiner Neobarock-Fassade mit sieben Dachfiguren. Das Volkstheater ist von nationaler Bedeutung. Darüber hinaus besitzt Rousse ein Schauspielhaus, ein staatliches Opernhaus, ein Puppentheater, eine Philharmonie für das Städtische Sinfonieorchester und eine Gemäldegalerie. Außerdem gibt es noch ein naturwissenschaftliches Museum, ein Verkehrsmuseum und die städtische Kunstgalerie.

 

 

Am 28. Feburar 1978 wurde das „Pantheon der Kämpfer der Wiedergeburt“ eingeweiht. Anlass war der 100. Jahrestag der Befreiung Bulgariens von der türkischen Herrschaft. In der Gedenkstätte, die auf dem früheren Friedhof von Russe angelegt wurde, sind 453 namhafte Freiheitskämpfer bestattet.
Einer der bekanntesten Söhne Russe ist der hier geborene Literaturnobelpreisträger Elias Canetti (1905 – 1994). 1930 entwarf er einen achtbändigen Romanzyklus. Das erste Werk „Die Blendung“ hatte er 1931 vollendet. Neben diesem Zyklus veröffentlichte er u.a. drei Dramen, eine anthropo-logische Studie: „Masse und Macht“, und eine mehrbändige Autobiographie. 1981 bekam er für sein schriftstellerisches Werk den Literaturnobelpreis. Danach zog sich Canetti aus der Öffentlichkeit zurück, er hielt keine Lesungen mehr und verweigerte jedes Interview. 1994 starb er 89jährig in Zürich und wurde dort auf dem Friedhof Fluntern beigesetzt. Sein Nachlass befindet sich in der Zentralbibliothek Zürich.

Nicht weit vom Freiheitsplatz entfernt findet man die barocke Dreifaltigkeitskirche, die 1632 eingeweiht wurde und die älteste Kirche der Stadt ist. Während der osmanischen Herrschaft durfte keine Kirche höher als eine Moschee sein. Darum wurde die Kirche tiefer in die Erde gebaut. Stufen führen deshalb in den hohen Kirchenraum hinunter. In der Kirche sind kost-bare Schnitzarbeiten und wundervolle Ikonen. Einen Besuch sollte man auf jeden Fall, wenn man ohne Führung Rousse erkundet, ins Ausflugsprogramm mit einplanen.

 

 

Gegen 16.15 Uhr war unser Landgang zu Ende. Auf der MS Maxima erwartete uns Kaffee und Kuchen, gute Gespräche, der Blick auf die Donau mit ihrem sich ständig verändernden Uferpanorama und die Vorfreude auf den um 18.30 Uhr angekündigten Piratenschmaus. Unsere Crew hatte sich in „Piraten“ verwandelte, und die Passagiere kostümierten sich ebenfalls – und mancher Gast sogar sehr einfallsreich. Und nach dem Essen ging es zünftig weiter: bei einer Piratendisco mit Seemannsliedern. Na dann, Schiff ahoi!
In der Nacht und am folgenden Tag setzten wir unsere Bergfahrt 545 km von Rousse bis zum Ende der Kataraktenstrecke nach Novi Sad fort.