Magazin für Literatur & Wellness
9. Tag: Kataraktenstrecke

Nach so viel Erlebten und Gesehenem tat ein „Schiffstag“ ganz gut. So konnten wir, mit gutem Gewissen, nach dem Frühstück den Wellnessbereich aufsuchen, das Sonnendeck bei 30° im Schatten genießen und im Salon uns mit der Kreuzfahrtleiterin Stefanie Broichhausen und der Hotelmanagerin Adile Wirth unterhalten. Wir wollten von Stefanie Broichhausen wissen, wie man Kreuzfahrtleiterin wird.
„Ja, sagen wir mal so: Bei mir war es auf Umwegen. Von Hause aus bin ich Speditions-kauffrau, aber ich war schon immer sehr reiselustig und habe viele Jahre im Ausland verbracht. Ende Juni 2009 habe ich bei nicko angefangen – und ich denke, ich bleibe auch dabei, schließlich hab ich jetzt wohl meinen Traumberuf gefunden.“
Und woher hat sie das große Wissen über die einzelnen Stationen unserer Kreuzfahrt, über die sie stets so locker und fundiert, aber immer mit einem Augenzwinkern berichtet?
Sie lächelt verschmitzt: „Wir bekommen alles Material von der Zentrale, also von nicko. Da wird wirklich viel an Basis gegeben, worauf man aufbauen kann. Manches muss man allerdingst auch selber recherchieren und nachlesen, wenn die Erzählungen interessant und aktuell bleiben sollen. Aber das macht halt auch viel Spaß.“
Der Job: Was macht ihr da am meisten Freude?
„Oh, man muss viel Liebe und Enthusiasmus mitbringen, denn es ist ein 24-Stunden-Job, rund um die Uhr immer im Einsatz, immer da für die Gäste. Doch wenn man Spaß und Freude daran hat, mit Menschen zu arbeiten, sehr reiselustig ist, nicht unter Heimweh leidet und oft mit wenig Schlaf auskommt und dazu noch zu den Frühaufstehern zählt, dann passt das schon. Wichtig in diesem Beruf aber sind Sprachen, je mehr, desto besser. Denn mit den Schiffen fahren Menschen aus vielen Nationen, Internationale Gruppen, die Mitarbeiter kommen aus unterschiedlichen Ländern – da reicht oft Englisch, Französisch oder Deutsch alleine nicht. Und als Reiseleitung fährt man auch nicht immer auf einem Schiff, da muss man schon flexibel sein. Ich persönlich bin schon fast auf all unseren Schiffen gefahren. Im Moment fahre ich auf der Donau, und das möchte ich auch weiter machen.“
Wir fragen sie nach Urlaub – denn wo sie arbeitet, da entspannen sich andere.
„Ich bin drei Viertel  des Jahres unterwegs. Die Arbeit beginnt für mich im März und geht bis September. Oft begleite ich aber auch Advents- und Silvesterkreuzfahrten – also Urlaub, den mache ich zuhause.“
Was ihr schönstes Erlebnis ist?
„Also es passiert mir immer wieder, das Gäste mich fragen, auf welchen Schiffen ich bin, und dann buchen sie danach. Die Treue dieser Gäste, die beeindruckt mich schon sehr.“
Wenn sie einen Wunsch an die Passagiere hätte, welcher wäre das wohl? Einen Augenblick denkt sie nach:
„Ja, da wäre schon was: Also, dass der Einsatz der Besatzung mehr geschätzt wird. Das ist eine ganz wichtige Motivation für uns. Je einfacher es aussieht desto größer sind die Anforderungen an die Besatzung, die zu 90 bis 95 Prozent immer die gleichen Kollegen sind.“

Und was hat man als Hotelmanagerin für eine Aufgabe? Adile Wirth braucht da nicht lange zu überlegen:
„Meine Aufgabe ist darauf zu achten, dass die vertraglichen Vereinbarungen zwischen nicko cruises und meiner Firma G&P in der Schweiz eingehalten werden. Ich habe eine 32köpfige Crew, die mir untersteht in den Bereichen Küche, Service, Housekeeping, Rezeption, Bestellungen, und natürlich bin ich auch für die Einhaltung des Budgets zuständig. Dazu kommt alles, was Personalangelegenheiten betrifft. Aber das Wichtigste ist hier die soziale Kompetenz, da meinen Leuten die Familie fehlt.“
Und so sieht Adile Wirth im Menschlichen einen großen Schwerpunkt:
„Bei meinen Leuten – der jüngste ist 19 und der älteste 50 Jahre – fehlt der persönliche Ansprechpartner, die Familie oder die Freunde, wenn jemand Ärger, Enttäuschungen, Kummer oder Freude hat. Hier braucht jeder Mal einen Menschen, einen Ansprechpartner, der ihm zuhört und dem er vertrauen kann. Das ist sehr wichtig bei einem Team, das aus 14 Nationen besteht: den Staaten, die am Fluss liegen wie z.B. Ungarn, Serbien, Bosnien, Bulgarien oder von weit her, den Philippinen, Indonesien oder Türkei, um nur einige zu nennen. Hier muss man alles sein: Chef, Freund, Berater oder einfach nur stiller Zuhörer. Das ist sehr wichtig, um die Harmonie zu bewahren und einen reibungslosen Ablauf für unsere Gäste zu gewährleisten. Die Logistik nimmt einen Schwerpunkt in unser Arbeit ein: Zum Beispiel die termingenaue Essensausgabe. Deshalb werden die Speisekarten ja schon lange im Voraus geplant, kalkuliert und bei festen Lieferanten eingekauft, aber erst kurz vor Beginn der Reise werden die Lebensmittel an Bord gebracht. Damit ist die Lebensmittel- und Qualitätskontrolle gewährleistet. Auch Sonderwünsche von Gästen, die Lebensmittelallergien haben oder nur vegetarisch oder vegan essen wollen, werden berücksichtigt. Oder die Mülltrennung. Da ist jede Abteilung selbst verantwortlich: Wir trennen den Müll in eigene Container, also in Küchenabfälle, Papier, Glas usw., für die Entsorgung dieser Container ist dann der Kapitän verantwortlich.“
Wir fragen, ob sie ihren Beruf liebt? Ihr Augen strahlen:
„Sicher, für mich gibt es keinen Schöneren. Ich habe so viele Menschen, so viele Länder, Städte und Flüsse kennengelernt – das hätte ich privat niemals geschafft.“
Und wo machen Sie mal Urlaub?
„Zuhause in der Türkei, oder am Rhein, da ist es auch sehr schön.“
Und wenn junge Menschen jetzt auch den Wunsch haben Hotelmanagerin auf einen Flusskreuzschiff zu werden?
„Ja, das kann passieren. Also: wer auf dem Schiff arbeiten will, sollte eine Ausbildung oder einen Beruf haben, der in der Hotellerie angesiedelt ist, und Sprachenkenntnisse sollten sie mitbringen, das ist sehr wichtig, und dann eine Bewerbung bei G&P (Info: www.gp-cruisejobs.ch) in Luzern einreichen. Alles andere wird sich zeigen.“

Die Zeit verging wie im Flug: Schon war das Mittagessen vorbei, das Schiff erkundet, bei Kaffee und Kuchen gute Gespräche geführt, auf dem Sonnendeck im Schatten einen Cocktail genossen und so die Zeit zum Abendessen überbrückt, und dann danach – im Salon bei Oldies geschwoft, um die notwendige Bettschwere zu bekommen.