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12 Tag: Budapest

Schon kurz nach dem Frühstück ging es mit dem Ausflugsbus in das Herz der Stadt. Unser Schiff hatte in Buda, am Brandtner Ponton Nr. 36 – zwischen Petöfi – und Rakoci Brücke – geankert. Von hier aus konnten Kenner der Stadt mit Taxi, Straßen-, U-Bahn oder Busse das Zentrum schnell erreichen. Besonders für die Senioren unter uns, die das 65. Lebensjahr erreicht hatten, konnten die öffentlichen Verkehrsmittel gebührenfrei nutzen. Dieses Angebot gilt für Staatsbürger aus allen Mitgliedsstaaten der EU. Wichtig: Personalausweis dabei haben.

Budapests Geschichte beginnt um das Jahr 89. Die Römer gründeten hier ihren Verwaltungssitz „Castrum Aquincum“. Schon bald expandierte der Ort, und wurde zu einer römischen Siedlung, die einen Stadthalterpalast mehrere Amphitheater, Bäder (hier gibt es viele Thermalquellen) und eine Stadtmauer aufweisen konnte. Aber zur richtigen Stadt kam es erst 1873, nachdem die selbständigen Siedlungen Obuda, Buda und Pest offiziell zusammengeschlossen wurden.

Bei unserer Stadtrundfahrt überqueren wir die Széchenyi-Kettenbrücke. Sie wurde 1839 bis 1849 auf Anregung des Grafen István Széchenyi gebaut und ist die älteste der neun Brücken, die Buda und Pest verbinden. Es gibt eine Reihe von Geschichten über diese Brücke. Eine erzählt, dass der Graf es leid war, sich, wenn er seine Freundin in Pest besuchen wollte, immer nasse Füße holte, und deshalb baute er die Brücke. Eine andere Sage berichtet, dass der Bildhauer die Zungen der Löwen vergaß. Aus Verzweiflung darüber nahm er sich das Leben.
Im Januar 1945 sprengte die abziehende deutsche Armee alle Donaubrücken. Aber schon im November 1949 kam nach langen Rekonstruktionsarbeiten am 100. Jahrestag der ersten Brückeneinweihung zur Wiedereröffnung. Seit 1957 ist die Brücke am Abend beleuchtet.

Von dem Wahrzeichen der Stadt, der Kettenbrücke bis zum Heldenplatz erstreckt sich Budapests Prachtstraße, die Andrassy-Straße. Die 2,4 km lange Alle entstand in den Jahren 1871 – 1885. Kennzeichnend für sie sind die im Historismus gehaltenen sechsgeschossigen prachtvoll gestalteten Häuser, wie die ungarische Staatsoper oder das Haus des Terrors. Die Staatsoper ist wohl das beeindruckenste Beispiel der Neorenaissance-Architektur im Stadtteil Pest. Die Oper wurde zwischen 1875 und 1884 gebaut. Die Innenausstattung ist eine „Augenweide“, die niemand, der Budapest besucht, versäumen sollte: reich geschmückt mit barocken Elementen und zahlreichen Ornamenten, Gemälden und Skulpturen. Die prachtvollen Wand- und Deckengemälde im Zuschauerraum, – für die die gesamte Blattgoldverzierung waren über 2,5 kg Gold nötig, – so wie in den Treppenaufgängen und Fluren sind Meisterwerke von Bertalan Székly, Mór Than, Károly Lotz und Miklós Ybl. Die Budapester Oper, die viel Ähnlichkeit mit der Wiener Staatsoper hat, ist wohl eins der schönsten Opernhäuser der Welt. Und sie ist ein Geheimtipp für alle echten Opernfreunde: Hier werden die alten Meister noch in traditionell inszenierten Vorstellungen präsentiert!

Das Haus des Terrors finden wir in der Andrássy út 60. Es ist ein als Gedenkstätte an die vergangenen Gräueltaten der Geschichte konzipiertes historisches Museum. Vor dem Museum, auf dem Bürgersteig, wird die Erinnerung an den „Eisernen Vorgang“ festgehalten. Von 1937 bis 1944 wurde es von der ungarischen Pfeilkreuzlerpartei als Sitz und Gefängnis genutzt. 1945 übernahm es die Politische Polizei (PRO), danach war es Hauptquartier des kommunistischen Staatssicherheitsdienstes ÀVO bzw. ÀVH. Als Foltergefängnis diente es während der Regierungszeit Stalins. Nach dem Volksaufstand 1956 wurde es zum Zentrum des Kommunistischen Jugendverbandes KISZ umfunktioniert. Seit Februar 2002 ist das Haus ein Museum, das sich mit der Geschichte des Pfeilkreuzler- als auch mit dem kommunistischen Regime beschäftigt.

Die Andrássy út führt weiter auf den Heldenplatz, der sowohl von der Kunsthalle wie auch von dem „Museum der Schönen Künste“, dem Szépművészeti Múzeum, eingefasst wird. Es ist das bedeutendste Kunstmuseum Ungarns und gehört zu den wichtigsten und größten Kunstsammlungen auf der Welt. Man findet hier Artefakte aus dem alten Ägypten genauso wie aus der Antike oder der europäischen Kunstgeschichte des  13. bis 21. Jahrhunderts.

Weiter östlich stadtauswärts, direkt hinter dem Heldenplatz, befindet sich im Stadtwäldchen die Burg Vajdahunyad. Sie wurde anlässlich der 1896 errichteten Budapester Millenniumsausstellung erbaut. Vorbei am Zoo kommt man an der Eiskunstlaufbahn vorbei und erreicht das Szecheny-Bad. Schön renoviert liegt es mitten im Stadtpark. Zusammen mit dem Gellert-Bad, das in der Nähe der Freiheitsbrücke ist, zählen die beiden Thermalbäder zu den bekanntesten der Stadt.
Die Andrássy út ist seit 2002 Weltkulturerbe. Und die unter ihr fahrende U-Bahn, ist eine der ersten elektrischen U-Bahnen der Welt und nach der Londoner Underground auch eine der ältesten auf unserem Planeten.

Und nach dem wir einiges von Pest gesehen haben, geht es zurück über die Kettenbrücke in die Altstadt von Buda zur Fischerbastei, die ihren Namen den im Mittelalter für die Verteidigung der Burg zuständigen Fischern verdankt. Das neoromanische Bauwerk wurde von Frigyes Schulek in den Jahren 1895 bis 1902 erbaut.
Die Reiterstatue in Bronze vom ungarischen König Stephan I., der das Christentum in Ungarn verbreitet hat, wurde 1906 von dem Bildhauer Alajos Stróbl geschaffen. Das Postament, auf dem die Statue steht, hat Frigyes Schulek geplant und im neoromanischen Stil errichtet. Die Darstellungen auf dem Sockel zeigen Bilder aus dem Leben des Königs.
In unmittelbarer Nähe befindet sich die neogotische Matthiaskirche. Sie war die erste Kirche auf dem Schlossberg und gehört heute zum Unesco-Welterbe. Sie wurde zwischen 1255 und 1269 auf Befehl von König Béla IV. erbaut. Der Name der Kirche geht auf König Matthias Corvinus zurück, der die Kirche 1470 um einen fünfgeschossigen Turm und das Oratorium erweitern ließ. 1541 eroberten die Türken Buda und machten aus der Matthiaskirche 150 Jahre lang ihre Hauptmoschee Büyük Camii. In dieser Zeit wurde die komplette Einrichtung der Kirche zerstört, die Wände weiß getüncht und alle Heiligenfiguren geköpft, was noch heute am Marientor sichtbar ist. Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche schwer beschädigt. 1950 bis 1960 wurde sie nach den Originalplänen von Schulek wieder aufgebaut.

Noch ein kleiner Bummel durch die Altstadt von Buda – und schon ist unsere Ausflugsfahrt zu Ende und der Bus der uns zum Schiff zurückbringt wartet. Es war nur eine Handvoll von Attraktionen, Eindrücke und Begebenheiten, die diese schöne Stadt uns präsentiert hat und die in uns allen den Wunsch weckte, recht bald wiederzukommen. Denn nur ein Tag – wenn auch ein ganzer – war viel zu kurz. Um 22.30 Uhr war Landgangsende. Und als unser Schiff Budapest verließ, da saßen wir noch alle auf dem Sonnendeck mit einem Nachtsnack, Bier, Limo oder Cocktail und genossen die herrliche Kulisse dieser Stadt.