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13. Tag: Bratislava

Von Budapest nach Bratislava waren es noch 221 km. Nach dem Frühstück wurden wir daran erinnert, dass unsere Fahrt bald zu Ende war. Vor der Rezeption konnte man nun an Vitrine und Theke „schoppen“ und sich mit Bordshopartikeln – wenn man wollte – für die Lieben zu Hause eindecken. Aber man konnte auch Lose für die Tombola am Abend erwerben, die nach dem Abschieds-Gala-Abendessen gezogen wurden. Ansonsten war noch einmal eine Lieblingsbeschäftigung angesagt: Sonnendeck (bei 30° im Schatten mit Eis oder einem Cocktail mit oder ohne Alkohol) bis zum Mittagessen und dem Warten auf den Ausflug nach Bratislava.

Die Anlegestelle war sehr zentral und wer wollte, der konnte auch ohne Führung die Stadt kennenlernen. Wir anderen fuhren mit der Touristikbahn, die uns von der Anlegestelle abholte und hinauf zum Wahrzeichen der Stadt brachte: zur Burg von Bratislava. Der Burgberg wurde schon seit der Steinzeit vor 5700 Jahren besiedelt. Vom 1. bis zum 4. Jh. (378) waren die Römer ansässig. Ihnen folgten im 5. Jh. die Kelten und anschließend die Germanen. Die Slawen erreichten das Gebiet um das Jahr 580. Zum ersten Mal erwähnt wird die Burg 805 und in den Salzburger Annalen 907. Im Renaissancestil wurde sie in den Jahren 1552-1562 umgebaut, aber erst das bauliche Konzept das Maria Theresia in den Jahren 1755 – 1765 an dem Gebäude ausführen ließ, gab ihr die Bezeichnung „theresianische Burg“.

1811 brach auf der Burg ein Feuer aus, das dafür sorgte, dass die Burg völlig ausbrannte und sich für die nächsten 150 Jahre nur noch als Ruine über der Stadt erhob. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg 1953 – 1968 wurde sie wieder renoviert. In den Jahren 1993 – 1996 wurde die Burg als Sitz des slowakischen Präsidenten genutzt. Anschließend verlegte man den Präsidentensitz in das instandgesetzte Palais Grassalkovich. In unserer Zeit wird die Burg als Repräsentationsgebäude und als Museum – sie beherbergt Sammlungen des Nationalmuseums – genutzt; die Kapelle ist heute ein Konzertsaal. Von der Burg aus kann man ein fantastisches Panorama genießen. Bei gutem Wetter reicht der Blick bis nach Österreich. Neben der Burg, das weiße Gebäude, ist das Parlament.

Von hier aus geht es zu Fuß in die Stadt. Von der Burg aus führt ein 20-Minuten-Weg zum St. Martinsdom, der die Krönungskirche des ungarischen Adels war. Auch Maria Theresia wurde hier gekrönt. Neben der Krönungszeremonie war dem zu Krönenden auch der Weg von der Burg zum Dom vorgeschrieben.

Der Martinsdom ist dem Hl. Martin von Tours geweiht. Die Hallenkirche, im gotischen Stil, wurde im 13 Jh. errichtet und ist die größte Kirche der Stadt. Ab 1563 war sie Krönungskirche der ungarischen Monarchie. Bis 1830 wurden hier 11 Könige und acht Königinnen gekrönt. 1847 wurde auf die Spitze des Kirchturms statt eines Kreuzes ein vergoldetes Paradekissen mit einer Nachbildung der ungarischen Stephanskrone gesetzt. Die vergoldete Krone hat einen Durchmesser von rund einem Meter und wiegt 300 kg. Für das Kissen und die Krone wurden 8 kg Gold verarbeitet. Zu einem Kulturdenkmal von nationaler Bedeutung wurde sie 2002. Die neue Elisabethorgel, gebaut von dem deutschen Orgelbauer Gerald Woehl, bekam die Kathedrale des Erzbistums Bratislava 2010. Die Rosen an den Pfeifenfeldern erinnern an das Rosenwunder der Hl. Elisabeth.

Nicht weit vom St. Martinsdom befindet sich die neue Brücke des Slowakischen Nationalaufstandes. Sie wurde nach einem Entwurf von A. Tesár, J. Lacko und I. Slameň  zwischen 1967 – 1972 errichtet und 1972 eingeweiht. Sie ist die bekannteste der fünf Donaubrücken. Ihre Hauptattraktion ist wohl das in 80 m Höhe befindliche Restaurant Ufo, das in Schiffsform auf dem 84,6 Meter hohen Pylon gebaut ist. Von hier aus hat man eine herrliche Aussicht auf die Stadt und das Land. Über dem Restaurant in 95 m Höhe befindet sich noch ein Aussichtspunkt. Der rechte Pfeiler verfügt über eine Nottreppe mit 430 Stufen. Am 16. Juni 2013 fand dort mit dem Ufo Vertical Sprint erstmals ein Treppenlauf statt, der zu den Masters-Rennen im Treppenlauf-Weltcup zählt.

Die Altstadt von Bratislava ist voll von Sehenswürdigkeiten. Der Ausdruck „klein aber fein“ beschreibt am besten die Universitätsstadt, die nur ca. 60 km von Wien entfernt liegt und als Schwesterstadt von Wien gilt. Die Innenstadt wurde mit sehr vielen Ideen geschmackvoll restauriert, wobei Wert auf die Details gelegt wurde, - sei es bei den aufwendigen Fassaden oder bei den Figuren, wie den „Napoleon“ oder den „Gulli-Mann“.
In der Altstadt, die zum Fußgängerzentrum umgewandelt wurde, befindet sich eines der ältesten erhaltenen Häuser der Stadt, das alte Rathaus aus dem 14./15. Jahrhundert. Das Michaelertor, aus dem 14 Jh. bewachte einst die nördliche Stadtmauer und gehört zu den ältesten Bauten der Stadt. Der heute 51 m hohe Turm wurde aufgestockt, auf der barocken Kuppel thront der hl. Michael. Es ist das einzige erhaltene Tor von den vier der mittelalterlichen Stadtbefestigung. Neben dem Tor steht das schmalste Haus Europas mit einer Breite von 1,30 m. Von 1915 ist der renovierte Reduta-Palast im neo-barocken Stil. Hier hat das Slowakische Philharmonische Orchester seinen Sitz. In dem Gebäude werden Opern inszeniert sowie Konzerte gegeben.

Direkt gegenüber der Redoute – am Ostende des Hviezdoslav-Platzes – liegt das alte Slowakische Nationaltheater, das 1885/1886 im Neorenaissance-Stil erbaut wurde. Signifikant für die Altstadt sind die zahlreichen aus dem 18. Jh. stammenden Pracht bauten im barocken Stil, wie das um 1760 erbaute Palais Grassalkovich. Es wurde für Graf Antal Grassalkovich I., Präsident der königlich ungarischen Hofkammer, durch den Architekten Andreas Mayerhoffer errichtet. Die bewegte Geschichte des Gebäudes erlebte 1914 einen weiteren Höhepunkt, indem seine letzten Eigentümer Erzherzog Friedrich von Österreich-Tschechen, seine Ehefrau Isabella von Croy-Dülmen, deren Hofdame Sophie Chotek von Chotkowa und der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Este bei dem Attentat von Sarajevo am 18.Juni 1914 um ihr Leben kamen. In der sozialistischen Zeit war das Palais ein Freizeitzentrum. Heute ist es die Residenz des Präsidenten der Slowakei.

Gegen Abend erreichten wir wieder pünktlich unser Schiff. Um 19.00 Uhr hatten der Kapitän und seine Mannschaft zum Abschiedssekt geladen, und um 19.30 Uhr gab es das Abschieds-Gala-Abendessen im Restaurant. Hier in fröhlicher Stimmung erfuhren wir, wie uns die Heinzelmännchen der Crew verwöhnt hatten: In den vergangen Tagen hatten sie 16.170 Teller gespült und auf 16.170 Tellern für uns das Essen serviert. Sie hatten 4680 Gläser abgetrocknet und poliert und waren 10.080 Mal in unseren Kabinen gewesen, um dort für Gemütlichkeit und Sauberkeit zu sorgen. An der Rezeption wurden 4620 Dienstleistungen vollbracht und in der Küche 250 kg Kartoffeln und 100 kg Möhren geschrubbt und geschält. Nicht mitgerechnet, die Arbeit und Mühe, die die Crew in abendlichen Unterhaltungen für die Gäste gesteckt hat, und die sie mit viel Freude, Engagement und Spaß für die Zuschauer herüber brachten. Und auch an diesem vorletzten Abend gab es mit der Tombola Überraschungspreise für die Passagiere. Danach traf man sich noch zum gemütlichen Zusammensein entweder bei Musik im Salon oder mit einem Cocktail auf dem Sonnendeck (Dank warmer Temperaturen) und einem letzten Blick auf Bratislava mit seiner Burg.