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14. Tag: Wachau Dürnstein

Der vorletzte Tag unserer Reise war angebrochen. Unser Schiff hatte in Weißenkirchen angelegt. Ein verträumtes Winzerdorf, das aber mit den umliegenden Gemeinden Joching, Wösendorf und St. Michael zu der größten Weinbaugemeinde der Wachau gehört.
Noch einmal ging es nach dem Frühstück „auf Tour“ und wieder konnten wir wählen: Da gab es die Möglichkeit einen Rundgang durch Dürnstein mit einer Weinprobe zumachen, oder Stift Göttweig mit seinem Marillen-Garten zu besuchen oder sich Krems anzuschauen oder in Weißenkirchen zu bleiben.

Dürnstein – ein 850 Einwohner zählender romantischer mit Zinnen und turmbewehrten Mauern umgebender Ort – ist durch seine Geschichte und mehr noch durch den blauweiß-barocken Turm der Stiftskirche das Wahrzeichen der Wachau. Im Volksmund wird der Turm „Fingerzeig Gottes“ genannt. Entstanden ist er im 18. Jh. als das Augustiner-Chorherrenstift umgestaltet wurde. Dürnsteins Geschichte beginnt im 12. Jahrhundert, als das Geschlecht der Kuenringer, die zwischen 1140-1145 auf dem Felsen über dem Ort eine Burg errichteten. Und so werden 1192 der Ort und die Burg erstmals erwähnt. Der Anlass ist Geschichte und Legende zugleich: Auf der Rückreise vom 3. Kreuzzug weigert sich der englische König Richard I., genannt Richard Löwenherz, mit dem Babenberger Herzog Leopold V. die Kriegsbeute zu teilen. Daraufhin ließ der Herzog den König auf Burg Dürnstein gefangen setzen. Die Sage erzählt, das sein getreuer Minnesänger Blondel seinen Herrn suchte und vor jeder Burg die erste Strophe eines Liedes sang, das nur Richard kannte. Auf Burg Dürnstein fand er endlich seinen Herrn, der mit der zweiten Strophe antwortete. Nach Zahlung eines Lösegeldes von 150.000 Mark Silber kam Richard Löwenherz 1194 wieder in Freiheit.

1410 wurde Stift Dürnstein gegründet. Heute gehören die Gebäude und der große Grundbesitz dem Augustinerchorherren-Stift Herzogenburg, das auch die Pfarre Dürnstein betreut.

Für die Wachau mit ihrem Wein und ihren Heurigenlokalen ist der Tourismus von einer bedeutenden wirtschaftlichen Rolle. Die Domäne Wachau ist das bekannteste österreichische Weingut. Sie hat ihre Kellereien vor den Stadtmauern von Dürnstein.

Das Stift Göttweig erhebt sich südlich von Krems auf einem bewaldeten Hügel. Aufgrund seiner Lage wird es auch oft als „österreichisches Montecassini“ bezeichnet. Gegründet wurde es 1083. Im 15. Jahrhundert wurde es baulich erweitert, und 1781 zerstörte ein Brand große Teile der Anlage. Sein heutiges Aussehen erhielt es in der Hochblüte des Barocks unter Abt Gottfried Bessel (1714 – 1749). Da das Geld fehlte, konnte man nur bestimmte Fassadenteile ersetzen: es wurden Fenster aufgemalt oder eine Uhr, was heute noch zu erkennen ist.

Die Stiftskirche, hat eine klassische Fassade und zwei Türme, die wie oben abgeschnitten wirken. Betritt man aber das Innere der Kirche, so sieht man hier ein Kleinod des barocken Kirchenbaus mit prachtvollen Gemälden, Altären und acht Seitenkapellen. Besondere Sehenswürdigkeiten sind die monumentale Kaiserstiege, gekrönt von Paul Trogers Deckfresko, sowie die Fürsten- und Kaiserzimmer. Die Geschichte des Stiftes verlief aber nicht so „strahlend“. Napoleon nutze es zeitweise als Kaserne, im Dritten Reich wurde es 1939 enteignet, die Mönche verbannt, die Gebäude als Gefangenenlager und Ausbildungsstätte für die NS-Elite genutzt. Der Roten Armee diente die teilweise verwüstete Klosteranlage als Kaserne für die Besatzungstruppen. Erst 1945 konnten die Mönche wieder zurückkehren. 1978 – 2004 wurde der gesamte Komplex umfassend restauriert. Die UNESCO nahm Stift Göttweig gemeinsam mit der Wachau, der historischen Altstadt von Krems und Stift Melk in die Liste des Weltkulturerbes auf.

Die wirtschaftliche Grundlage des Stiftes und seiner 50 Bewohner bilden der Forstbetrieb (mit Jagd und Fischereiverpachtung, der „Göttweiger Wald-Erlebniswelt“ bei den Mammutbäumen, der Weinbau (verpachtet), der Tourismus (mit Restaurant und Veranstaltungsservice im Brunnensaal und Sommerrefektorium) und in geringem Ausmaß die Landwirtschaft. Hier ist besonders auf den Mirabellen- und Kräutergarten und deren Produkte hinzuweisen.

Krems, die dritte Alternative im Programm, ist das Zentrum der Weinproduktion in der Wachau. Die Stadt gilt als die schönste in Niederösterreich. Im Jahre 995 wird Krems zum ersten Mal urkundlich erwähnt.

Das Steiner Tor ist das Wahrzeichen der Stadt. Krems wurde bis ins letzte Drittel des 19. Jahrhunderts von einer Stadtmauer umgeben. Dieser Mauerring wurde systematisch geschleift, wobei auch drei Stadttore völlig abgetragen wurden. 2005 feierte die Stadt ihr 700jähriges Jubiläum der Stadtrechte. Aus diesem Grund wurde das letzte noch verbliebene Tor, das Steiner Tor, originalgetreu restauriert.
Ein Meisterwerk der Gotik ist die Gozzoburg aus dem 13. Jahrhundert am hohen Markt und ein schöner Hingucker in Sachen Barock ist die Pfarrkirche St. Veit. Und wer sich intensiver mit der Stadtgeschichte oder mit dem Weinbau beschäftigen möchte, für den ist das „museumkrems“ in der Nähe der Dominikanerkirche genau das Richtige.

Wir entschieden uns für einen Besuch in Weißenkirchen und zu einem Frühschoppen. Gegen 9. 00 Uhr am Sonntagmorgen war der kleine Ort noch recht verschlafen und ziemlich menschenleer. Unser Erkundungstrip auf der Suche nach einem Lokal oder Restaurant, das jetzt schon bereit zu einem Frühschoppen war, führte uns durch kleine verwinkelte Gassen.
Weißenkirchen wird 1070 in einer Schenkungsurkunde an das Benediktinerkloster Weihenstephan erwähnt, das zu Freising gehört. Heute ist der Ort Marktgemeinde mit 1474 Einwohnern (2016) und einer 23,28 Quadratkilometer großen Fläche, von der 63,06 Prozent bewaldet sind. Der Ort ist gespickt mit 197 denkmalgeschützten Bauten, von denen viele noch aus dem 14./15. Jahrhundert stammen und wird dominiert durch die mächtige Wehrkirche Mariae Himmelfahrt aus dem 14. Jahrhundert.

Ihr stattlicher Turm wurde 1531 zum Schutz gegen die Türken errichtet. Im Innenraum der Kirche mischen sich Spätgotik und Barock. Ein Beispiel für die Renaissance ist der prächtige Teisenhoferhof, der 1542 fertiggestellt wurde, und heute das Wachaumuseum und das Weinbaumuseum beherbergt. Außerdem gibt es noch die an der Donau gelegenen drei Salzstadeln aus dem 17. Jahrhundert zu begutachten, die einst das nahe gelegene nördliche Waldviertel mit dem weißen Gold (=Salz) versorgt haben.

In der Nähe des Teisenhoferhof wurden wir auf unserer Suche nach einer geeigneten und am Morgen „offenen“ Lokalität fündig: Beim „Kirchenwirt“ konnten wir nun bei einem zünftigen Frühschoppen und dem Probieren einiger Weine den Vormittag bei strahlendem Sonnenschein so richtig genießen. Gegen Mittag war der Landgang zu Ende – unser Schiff wartete mit dem Mittagessen auf uns. Nachdem unser Schiff abgelegt hatte und stromaufwärts Richtung Passau – und damit dem Ende unserer Flusskreuzfahrt – zu steuerte, erfreuten wir uns an dem Panorama der Donau. Wir kamen vorbei an St. Michael, die der Katastralgemeine – zwei Kilometer von Weißenkirchen entfernt – ihren Namen gibt. Die Wehrkirche wurde um 1500 erbaut, die Pfarre St. Michael ist noch 500 Jahre älter und gilt als die älteste Pfarre der Wachau.

Wir fahren an dem zentralen Ort der Wachau vorbei: Spitz, eine Kleinstadt mit 1600 Einwohnern, die sich rund um den freistehenden „Tausendeimerberg“ ausbreitet. Der Name bezieht sich auf die Menge der geernteten Trauben. Erwähnt wird die Stadt um 830 in der Schenkungsurkunde Ludwigs des Deutschen. Marktrecht wird Spitz 1347 zugesprochen. Auch hier gibt es prachtvolle Bauten im Renaissance- und Barockstil. Das Schloss, das im Zentrum liegt, wurde im 12. Jahrhundert erbaut. Seit 1772 ist hier ein stilvolles Schlosshotel im historischen Ambiente zu finden. Bekannt wurde Spitz im 20. Jahrhundert durch den 1947 gedrehten ersten Nachkriegs-Heimatfilm „Der Hofrat Geiger“ mit Paul Hörbinger, Hans Moser und Waltraud Haas. Aus ihm stammt das Lied „Mariandl aus dem Wachauer Landl“.

Und schließlich am Ende des Nachmittages wird uns klar, das Morgen, um 9.00 Uhr alles vorbei sein wird.

So schön auch die Gespräche und die vorbeiziehende Landschaft auch ist, die Pflicht ruft: das Gebäck muss bereitgestellt werden, die letzten Rechnungen sind zu bezahlen, und die Adressen mit neuen netten Menschen werden ausgetauscht – und schon ist Abendbrotzeit. Wir verlassen „unser geliebtes Sonnendeck“ noch einen langen Blick auf die Donau und dem Wunsch bald wiederzukommen, kehren wir in unserer Kabinen zurück.