Magazin für Literatur & Wellness
Mehr Wald für alle

Immer mehr deutsche Reiseregionen laden mit speziellen Angeboten auch Menschen mit Behinderungen zu wohltuenden Begegnungen mit dem Lebensraum Wald.
„Betritt man einen Wald, so ist es, als trete man in das Innere einer Seele“, sagte einst der französische Schriftsteller Paul Claudel. Waldspaziergänge sind wunderbare Erlebnisse – und ihre positiven Effekte auf Körper, Geist und Seele wissenschaftlich belegt. Auch Menschen mit Behinderungen müssen nicht auf Walderlebnisse verzichten. Immer mehr Reiseregionen machen den faszinierenden Lebensraum für alle begehbar. Die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland stellt die schönsten vor.

Wildnis hautnah: Nationalpark Eifel
Spechte klopfen, uralte Buchen knarren, und im Herbst röhren sogar die Hirsche: Die Natur hat sich ein besonders schönes Stück Deutschland zurückerobert. Im Nationalpark Eifel greift der Mensch auf einem Großteil der Fläche nicht mehr in den natürlichen Kreislauf ein. Damit diesen Naturwald alle Besucher erleben können, hat die Nationalparkverwaltung den barrierefreien Naturerlebnisraum Wilder Kermeter entwickelt. Auf einem Bergrücken zwischen Rursee und Urftsee eröffnet sich ein über sechs Kilometer langes barrierefreies Wegenetz mit dem Aussichtspunkt Hirschley und seinem weiten Panoramablick auf die Seenlandschaft.
Der dazugehörige anderthalb Kilometer lange Naturerkundungspfad „Wilder Weg“ lädt mit Erlebnisstationen zum Entdecken ein. Hier können große und kleine Gäste den Baumstamm-Tunnel bequem durchqueren, 20 verschiedene Holzpilze abtasten oder auf den Sinnesliegen die Baumkronen beobachten. Blinde und mobilitätseingeschränkte Besucher profitieren von einem taktilen Bodenleitsystem und breiten, ebenen Wegen. Ranger bieten informative Rundgänge oder -fahrten per Schiff.
Infos:
Nationalpark Eifel
www.nationalpark-eifel.de/barrierefrei

Wildromantische Wälder: Sächsische Schweiz
Auch im Nationalpark Sächsische Schweiz gilt das Motto „Natur Natur sein lassen“. Zwischen Sandsteinnadeln, Felsriffen und Wildbächen entwickeln sich wildromantische Wälder ganz nach ihren eigenen Gesetzen. Besucher mit Mobilitätseinschränkung können auf einer Rolli- oder Handbike-Tour durch den Uttewalder Grund ein besonders märchenhaftes Stück der Region durchqueren.
Auf sieben Kilometern geht es über ebene Waldwege durch ein Felsental zum Felsentor, einem bekannten Motiv romantischer Maler des 18. Jahrhunderts. Neben dieser anspruchsvollen Tour bietet die Sächsische Schweiz weitere abwechslungsreiche Wanderungen für Rollstuhlfahrer, auf Wunsch auch geführt.
Mehr über das Ökosystem Wald können Besucher im barrierefreien Walderlebniszentrum Leupoldishain erfahren. Zertifizierte Waldpädagogen führen durch den Wald und klären über Tiere, Pflanzen und das Ökosystem auf.
Infos:
Sächsische Schweiz:
www.saechsische-schweiz-barrierefrei.de
Walderlebniszentrum Leupoldishain:
www.smul.sachsen.de/sbs/25791.htm

Paradies für Handbiker: Rostocker Heide
Einst durchstreiften Jäger und Holzfäller den größten Küstenwald an der deutschen Ostsee, heute radeln Handbiker und Radfahrer durch die Buchen- und Kiefernwälder der Rostocker Heide. Sie genießen das wohltuende milde Reizklima aus Meeres- und Waldluft. Auf der 6000 Hektar großen Fläche zwischen Markgrafenheide und dem Ostseebad Graal-Müritz leben Tiere wie Fuchs, Dachs und Reh-, Dam-, Schwarz- und Rotwild. Mit etwas Glück lässt
sich sogar der majestätische Seeadler mit bis zu 2,50 Meter Flügelspannweite beobachten.
Seit 1996 ist die Rostocker Heide Landschaftsschutzgebiet. Handbiker finden hier gute Bedingungen. Die 64 Kilometer lange Rostocker Heide/Fischland-Handbike-Tour verläuft parallel zur L 22 durch die Wälder, entlang der Küste und durch das Naturschutzgebiet Ribnitzer Großes Moor.
Infos:
Rostocker Heide
www.rostock.de/rostocker-heide

Zwischen Moor und Wald: Naturpark Stechlin-Ruppiner Land
Zwischen Mooren, Seeufern, Mischwäldern und Flüssen liegt der Naturpark Stechlin-Ruppiner Land im Norden von Brandenburg. Pflanzenarten mit kuriosen Namen wie Armleuchteralge oder Affenkopfpilz sind hier zuhause. Moorfrosch und Zauneidechse fühlen sich in den feuchten Gebieten wohl.
Auf dem zwölf Kilometer langen Rundwanderweg „Von Moor zu Moor“, der auf einer Teilstrecke auch für Rollstühle geeignet ist, laden interaktive Modelle und Informationstafeln dazu ein, mehr über das Moor zu erfahren. An einer Station führt ein rollstuhlgerechter Steg weit hinein in die unberührte Moorlandschaft. Der Weg startet am Naturparkhaus Stechlin in Menz, das nach Absprache auch Führungen und Wandertouren für Blinde und Menschen mit Lernschwierigkeiten oder Mobilitätseinschränkungen anbietet.
In Herzberg führt der einen Kilometer lange rollstuhlgerechte Walderlebnispfad durch die Natur. Zu den 30 Stationen gehören ein Baumtelefon und ein Steinbiotop.
Infos:
Ruppiner Seenland/Naturpark Stechlin – Ruppiner Land:
www.ruppiner-reiseland.de/info/barrierefreie-angebote.html

Alpakawanderungen im Lausitzer Seenland
Das Lausitzer Seenland ist eine noch junge Landschaft. Wo bis vor wenigen Jahrzehnten noch große Tagebaurestlöcher klafften, glitzern heute weite Wasserflächen. Es entsteht die größte von Menschen geschaffene Seenlandschaft Europas mit Wildnisgebieten für bedrohte Tiere und Pflanzen. In den Wäldern hat auch der Wolf ein neues zu Hause gefunden.
Eine wesentliche Aufgabe im Naturschutzgroßprojekt Lausitzer Seenland ist die Pflege und Entwicklung von monotonen Kippenforsten zu lausitztypischen Mischwäldern.
Zertifizierte Naturführer bieten Exkursionen zur Vogelwelt, zum Naturschutz und Waldumbau an.
Ein besonderes Angebot für Menschen mit körperlicher und geistiger Behinderung sowie für Menschen mit Verhaltensauffälligkeiten oder Übergewicht macht Cornelia Schnippa in Tätschwitz, einem Dorf am neu entstandenen Geierswalder See. Die Therapeutin arbeitet auf ihrem Erlebnisbauernhof mit Alpakas. Eine Wanderung mit den einfühlsamen Tieren dauert zwischen anderthalb bis zu drei Stunden und führt durch die neue Lausitzer Seenlandschaft.
Infos:
Lausitzer Seenland
http://www.lausitzerseenland.de/de/barrierefrei/freizeit.html

Arbeitsgemeinschaft „Barrierefreie Reiseziele in Deutschland“
vertreten durch Erfurt Tourismus und Marketing GmbH
Benediktsplatz 1
99084 Erfurt
www.barrierefreie-reiseziele.de

 

Über die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland:
Neun deutsche Urlaubsregionen und Städte haben sich seit 2008 zur Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland zusammengeschlossen. Gemeinsam leisten sie Pionierarbeit bei der Entwicklung von Reiseangeboten für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen, mit Hör-, Seh- und Lernbehinderungen, für Gehörlose und Blinde sowie für Familien und Senioren.
Zu den Mitgliedern gehören die Regionen Eifel, Ostfriesland, Sächsische Schweiz, das Fränkische, Lausitzer und Ruppiner Seenland, außerdem die Städte Erfurt, Magdeburg und Rostock.
Kooperation mit Deutscher Bahn AG:
Seit 2008 arbeitet die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland eng mit der Deutschen Bahn AG (DB) zusammen. Im Rahmen dieser Kooperation entstanden individuelle Mobilitätspakete bzw. Reiseangebote, welche auf die Wünsche und Bedürfnisse mobilitätseingeschränkter Urlauber abgestimmt sind.
Infos:
www.bahn.de/reiseziele-barrierefrei

Fördermitglied der Deutschen Zentrale für Tourismus:
Seit 2010 ist die Arbeitsgemeinschaft Barrierefreie Reiseziele in Deutschland Fördermitglied der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT). Die DZT ist das nationale „Tourist Board“ mit Hauptsitz in Frankfurt am Main. Sie entwickelt und kommuniziert Strategien und Produkte, um das positive Image der deutschen Reisedestinationen im Ausland weiter auszubauen und den Tourismus nach Deutschland zu fördern. Dabei bewirbt sie konsequent die vorbildlichen barrierefreien Angebote in Deutschland.
Infos:
www.germany.travel