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Bahn-Nostalgie in Thüringen 2018 – neue Fahrten und bewährte Ziele

In diesem Jahr fährt der „Rodelblitz“ auf seiner bewährten Strecke im Thüringer Wald. Seit 20 Jahren veranstaltet die Nahverkehrsgesellschaft Thüringen (NVS) mit der Deutschen Bahn (DB Regio) ein umfangreiches Bahn-Nostalgieprogramm. Wir sind mit dem „Rodelblitz I“ von Erfurt über Arnstadt, Zella-Mehlis, Suhl und Meiningen bis Eisenach in den historischen Reisezugwagen aus DDR-Zeiten, gezogen von der Dampflok 41 1144, mitgefahren.

Neu war die Platzreservierung. Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit mit dem Ticketshop Thüringen der Mediengruppe Thüringen Verlag ist der Fahrkartenkauf kinderleicht geworden. Jeder Reisende hat nun einen festen Sitzplatz, auch wenn die meisten Mitfahrer im Speisewagen der Mitropa oder im Mini-Buffet die Zeit und damit die Fahrt verbringen. Hatten in den Vorjahren oft ganze Familien mit Schnee-Ausrüstung (Schlitten, Skier oder Snowboards) stehend im Zug reisen müssen, so gab es diesmal ausreichend Platz. Dafür lag in Suhl wenig Schnee. Doch man konnte ja nach Oberhof ausweichen.
Bei Abfahrt in Erfurt hatten die Veranstalter extra eine Blaskapelle aufgeboten, die Lok war aus Anlass der Fahrt besonders herausgeputzt und sogar ein Schneemann begrüßte die Reisenden. Natürlich durften die obligatorischen Worte der Verantwortlichen zum Jubiläum „20 Jahre Rodelblitz“ nicht fehlen, und so konnten wir den Ausführungen von Yvonne Woelz (DB Regio) lauschen. Kurz vor der Abfahrt gab es dann eine Lautsprecherdurchsage: „Die 20 Jahre Rodelblitz müssen gefeiert werden“, ertönte es. „Gegen Vorlage Ihrer Fahrkarte erhalten die Reisenden daher einen Glühwein im Speisewagen gratis“, kündigte der freundliche Zugbegleiter an. Dann pünktlich um 10:11 Uhr ein kurzer Pfiff, und die Reise konnte unter den Klängen von „Muss i denn, muss i denn zum Städtele hinaus“ beginnen. Mit viel Lärm aus der Lokpfeife und noch mehr Dampf verließ der Zug den neuen Hauptbahnhof Erfurt.

Das entschleunigte Reisen in nostalgischen Zügen gehöre ebenso zu Thüringen wie die schnelle ICE-Verbindung nach Berlin und München, versicherte Verkehrsstaatssekretär Klaus Sühl. Die Dampfzugfahrt hinauf zum Rennsteig sei ein Erlebnis, selbst wenn derzeit kaum noch Schnee liege, so Sühl. Die Begeisterung ist ungebrochen, berichtete Gregor Jahn, bei der NVS verantwortlich für das Bahn-Nostalgieprogramm Thüringen. So seien am Jahresende nahezu  alle Fahrten ausgebucht; jährlich werden etwa 5.500 bis 6.000 Fahrkarten verkauft. Nicht nur Eisenbahnnostalgiker zählen zu den Stammgästen. Zu den beliebtesten Fahrten zählt auch heute nach wie vor der „Rodelblitz“, die Fahrgäste kommen dafür sogar extra aus Großbritannien und Japan angereist. Gerade für Familien, so Gregor Jahn weiter, sei eine Dampfzugfahrt ein großes Abenteuer. Erfreulich auch für die „Wiederholungstäter“: Seit 2016 besteht eine neue Vereinbarung zwischen DB Regio und dem Freistaat Thüringen, nach der das Programm bis mindestens 2021 weiterlaufen wird. Die finanziellen Mittel für die Hauptuntersuchung der Dampflok und die anstehende Modernisierung des Wagenparks stellt dabei der Freistaat. Denn eine alte Dame wie die Lok 41 1144 will gepflegt werden.
Über Arnstadt und Plaue ging die gemächliche Fahrt. Am Bahnhof Gehlberg lag tatsächlich Schnee, doch schon in Suhl sah das wieder anders aus. Zuvor hatten in Zella-Mehlis mehr als 100 Reisende den Zug verlassen, sie nutzten die Möglichkeit mit dem Bus nach Oberhof zum Rodeln, Wandern oder zum Skilaufen zu fahren.

Eine Übersicht aller Fahrten gibt es im Internet. Außerdem gibt es eine Bahn-Nostalgiebroschüre. Und wenn Sie es in diesem Winter nicht mehr zum Rodelblitz schaffen, trösten Sie sich: 2019 wird er wieder dampfen. Ludwig W. Moormann
Info:
www.bahnnostalgie-thueringen.de