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Dithmarscher Kohltage

Dithmarschen hat Tradition – und Dithmarschen hat ein besonderes Gemüse. In den Weiten der Marsch, in ursprünglicher Landschaft und auf fruchtbaren Böden ist es zu Hause. Von hier aus hat es vor rund 130 Jahren seinen Siegeszug auf den Tellern der Deutschen angetreten – der Kohl. Heute gedeihen in Europas größtem zusammenhängendem Anbaugebiet jährlich rund 80 Millionen Kohlköpfe, fast ein Drittel der in Deutschland produzierten Menge.
Die Dithmarscher Kohltage werden nun wieder gefeiert. Sechs Tage lang dreht sich in Deutschlands größtem Kohlanbaugebiet alles um die leckeren Vitaminbomben. Was für köstliche Kreationen und raffinierte Kombinationen die einheimischen Köchinnen und Köche aus dem lange unterschätzten Gemüse zubereiten, können die Gäste auf den Dithmarscher Kohltagen probieren.
Der Kohlanschnitt und damit offizieller Beginn der 32. Dithmarscher Kohltage ist am Dienstag, 18. September 2018, auf dem Hof von Susanne und Jan Vollmert. Bereits zum zweiten Mal richtet Familie Vollmert das Anschnittsfest auf ihrem Hof im Brunsbütteler Ortsteil Westerbelmhusen, Moordeichsweg 4, aus.
Das gesamte Programm der Dithmarscher Kohltage finden Interessierte auf www.dithmarscher-kohltage.de.

Kult-Gemüse auf Erfolgskurs
Der Erfolg der Dithmarscher hat  viele Mütter und Väter. Bereits 1986 riefen Landwirtschaft, Gastronomie und Tourismus die Dithmarscher Kohltage ins Leben – ein Fest der Region rund um die so genannte Zitrone des Nordens. Daraus entwickelte sich das größte Ereignis im Herbst an der schleswig-holsteinischen Westküste. Die alljährlichen Dithmarscher Kohltage feiern das Kultgemüse und setzen den Kohl festlich in Szene.
Der gute Ruf und der exzellente Geschmack des Dithmarscher Kohls haben sich auch europaweit durchgesetzt: 2014 wurde das vitamin- und mineralstoffreiche Gemüse ins europäische Qualitätsregister eingetragen und genießt seither EU-Herkunftsschutz.

Kohl als Markenzeichen Dithmarschens
Dass Kohl zum Markenzeichen für die Region werden konnte, ist vor allem dem Wesselburener Gärtner Eduard Lass zu verdanken.  Er revolutionierte und erforschte Ende des 19. Jahrhunderts den Gemüseanbau in Dithmarschen.
Zu Beginn der 1890er Jahre lagen die Korn- und Viehpreise so niedrig, dass eine Alternative gefunden werden musste. Auch die Zuckerrübe galt derzeit als unrentables Gemüse. Somit begann Eduard Lass, mit dem Gemüseanbau zu experimentieren. Das führte schnell zu Erfolg: durch die optimalen Bodenbedingungen und den ständigen leichten Wind, der als natürlicher Schädlingsbekämpfer agiert, konnte der Kohl prächtig heranwachsen und schon bald gewinnbringend angebaut werden. Er zog die Setzlinge schon fast agrarindustriell in speziellen Beeten bzw. Holzkisten heran, um während der Entwicklung der jungen Pflanze eine genaue Qualitätskontrolle sicherstellen zu können. Danach wurden die Setzlinge an die Vertragsbauern in ganz Dithmarschen ausgeliefert. So wurden Kohlanbau und Kohlvermarktung bald zu einem der wichtigsten Zweige der Dithmarscher Landwirtschaft.
Durch den Kohl erlebte Dithmarschen eine neue Blütezeit und viel Geld floss in die Region. In der alten Wesselburener Zuckerrübenfabrik entstand eine moderne Sauerkraut-Konserven-Fabrik. Von hier aus gelangte der Kohl nach ganz Europa. Heute befindet sich auf dem historischen Gelände das „KOHLosseum“ mit einem Museum über Kohlanbau und -verarbeitung, einem Bauernmarkt mit Delikatessen aus der Region und der Krautwerkstatt mit Live-Vorführungen.
Im KOHLosseum in Wesselburen erfahren Besucherinnen und Besucher alles rund um den Kohl. Eine einmalige Ausstellung über die Anpflanzung und Verarbeitung des gesunden Gemüses sowie die Herstellung von Sauerkraut wird im historischen Gebäude der ehemaligen Sauerkrautfabrik gezeigt. Infos: www.kohlosseum.de

Edles Amt
Das Amt der Kohlregentinnen weist auf die bewegte Vergangenheit Dithmarschens als erste freie Bauernrepublik Europas zurück. Die Tracht der Kohlregentin ist der traditionellen Kleidung der Dithmarscher Tracht im 15. und 16. Jahrhundert nachempfunden. Ein typischer Bestandteil ist zum Beispiel ein Besteckköcher aus Samt, in welchem Löffel und Messer verstaut waren. Im 15. und 16. Jahrhundert wurde das Besteck üblicherweise selbst mitgebracht. Heute werden natürlich andere Dinge von den Kohlregentinnen im Köcher aufbewahrt. Wer neugierig ist, fragt einfach die beiden Kohlregentinnen – vielleicht verraten sie es…
Die Kohlregentinnen müssen sich gut in der regionalen Landwirtschaft und vor allem natürlich mit Kohl und seinen vielen unterschiedlichen Varianten auskennen. Ihre Aufgabe ist es, das Dithmarscher Anbaugebiet öffentlich zu vertreten. Dazu gehören auch das Wissen über Anbau und Verarbeitung, die Zubereitung von traditionellen Kohlgerichten und die Inhaltsstoffe des Kohls.
Die diesjährigen Kohlregentinnen Angelina I. und Bente I. kennen sich bestens mit dem Feldgemüse aus: Angelina I. ist als Restaurantfachfrau Expertin rund um Kohlgerichte: seit fünf Jahren arbeitet sie in der Gaststätte „Zur Doppeleiche“ in Süderhastedt. Bente I. hat in diesem Jahr ihre Ausbildung zur agrarwirtschaftlich-technischen Assistentin bei Rijk-Zwaan in Marne abgeschlossen, das macht sie zu einer Expertin rund um Kohlzucht und Landwirtschaft.
Die Kohlregentinnen werben sowohl vor Ort als auch überregional für Dithmarschen, beispielsweise in Kiel und auf der Grünen Woche in Berlin oder auf Produktfesten in anderen Bundesländern.

Hofläden und Milchtankstellen
Typisch für Dithmarschen sind Hofläden mit knackfrischem Gemüse, das eben noch auf dem Feld gestanden hat. Nicht nur Kohl in allen Varianten, sondern auch zum Beispiel Kartoffeln, Steckrüben, Porree, Sellerie und Rote Bete fühlen sich auf den Äckern der Region wohl. Daneben bieten viele Familienbetriebe Fleisch, Wurst, Eier, Käsespezialitäten, Honig oder Konfitüren aus eigener Herstellung an.

An modernen Milchtankstellen in Dithmarschen kann man die gut gekühlte Rohmilch rund um die Uhr in mitgebrachte oder vor Ort gekaufte Behälter aus dem Automaten zapfen – fast so frisch wie selbst gemolken!
Infos:
www.dithmarscher-kohltage.de